Mich brennt´s in meinen Reiseschuhen...

Bella Italia mit der Werkstufe (29.05. bis 07.06.2000)

 

Es war einmal eine Menschengruppe,..... die hatte unterschiedliche Vorstellungen von einem Abenteuer. Unsere Klassen- Gruppenfahrt entstand durch eine Mischung verschiedener Motivationen. Eine Reise von besonderer Frische und letztendlich Spontaneität entstand, die sich lohnte gemacht zu werden.

 

Wie bei den meisten Märchen weiß heute niemand mehr genau, wie diese Reise entstanden sind. Das ist jetzt auch heute nicht mehr so wichtig. Die Hauptsache ist, dass sie zustande gekommen ist und dass wir alle wohlbehalten wieder zurück gekommen sind.

 

Den Lehrplan in den Händen besprachen wir Lehrer die anstehenden Epochen, während die Mitarbeiter der Gruppe über eine „Freizeit" nachdachten. Kunstgeschichte anschaulich machen und gleichzeitig mit unterschiedlicher Kultur zu verbinden – das verband auch die beiden Kollegien miteinander. Wir wagten also, nach einigen misslungenen Anläufen, ein recht kurzfristig entstandenes Konzept.

 

Am 29. 05. 2000 um 8:30 Uhr verließ der grüne Bus das Gelände, während einige Zurückgebliebenen sich aufteilten. Ursula ging mit ihrer Tochter Nathalie und Stefanie zum Frühstück. Ich rang beim Autohändler Spöth um einen Leihwagen mit Klimaanlage. Mein eingeplanter Privat - PKW mit „Klima" erlitt am Samstag vor unserer Abfahrt einen Motorschaden! Der Rest der Gruppe verließ um 10:50 Uhr den Wohnort und traf nach einigen Telefonkontakten um 17:00 Uhr in Dornach (Schweiz) wieder mit anderen zusammen.

 

Unter fachkundiger Führung besichtigten wir das Goetheanum. Die Raumeskünste, wie Architektur, Deckenmalerei und plastische Ausgestaltung des Bühnensaales, sowie die aussage- und inhaltsvollen farbigen Fenster des Gebäudes, beeindruckten uns sehr. Die erste Übernachtung war in der Jugendherberge in Basel, nachdem wir einen gemeinsamen Abendspaziergang am Rhein gemacht und Frau Kunze als „Informationszentrale" unterrichtet hatten.

 

Am nächsten Morgen setzten wir unsere Fahrt fort und landeten am Nachmittag für die nächsten 3 Tage in Carrara. Diese Stadt und die Jugendherberge waren uns schon durch Dia - Darstellungen einer Praktikantin des R. Steiner Seminars bekannt. In der Realität war doch alles viel schöner, als wir es uns ausgemalt hatten. Die Wellen des Mittelmeeres schlugen an die Grundmauer der Herberge, die zwischen dem Frachthafen und dem Badestrand lag.

 

Der Ausflug nach Pisa beeindruckte nicht nur durch den Flair einer toskanischen Großstadt. Der schiefe Turm war wirklich so schief, wie er immer dargestellt wird. Inzwischen muss er sogar mit Drahtseilen gesichert werden und gigantische Bleigewichte auf dem nachträglich angebauten Fundament sollen ein Umkippen verhindern. Die Besichtigung des Domes demonstrierte uns den Reichtum der Katholischen Kirche. In der Taufkirche stiegen wir bis in die Höhen der schwindelerregenden doppelwandigen Dachkonstruktion hinauf. Die Gefühle der Schüler schwankten zwischen Schaudern, Angst und Bewunderung für die Schönheit des Bauwerkes. Die Gemäldegalerie wurde nicht mehr so begeistert aufgenommen. Die Kräfte waren zum Großteil schon verbraucht.

 

Am nächsten Morgen beobachteten wir eine Gruppe von merkwürdig gekleideten Menschen, die weiße Steine durch die Gegend schleppten, Unterstände herrichteten und Tische mit Werkzeugen, wie Hämmer und Meißel, bereit legten. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Bildhauerkurs handelte, zu dem wir eine Reihe von Empfehlungen erhielten, die wir aber nur zum Teil befolgen konnten. Wir fuhren in einen Steinbruch, wo wir das Material Marmor kennen und bearbeiten lernten. Wir übten uns im Umgang mit Hammer und Meißel und wählten uns jeweils einen Stein zum Mitnehmen aus.

 

Am „Kampo Cecina" hatten wir einen beeindruckenden Ausblick über eine Reihe von Marmorbrüchen bis hin zum ca. 30 km entfernt liegenden Mittelmeer. Ein halber Strandtag lockerte das recht straffe Kulturprogramm auf und ließ zwischendurch ein nachhaltiges Gefühl von Urlaub aufkommen.

 

Unsere nächste Station war Florenz. Über Landstraßen fahrend und die Landschaft bewundernd, erreichten wir ein mitten in der Stadt auf einem Hügel liegendes Herrenhaus von fast gigantischen Ausmaßen. Die Empfangshalle glich einem in Marmor ausgekleidetem Ausstellungsraum für Bildhauerei oder den Wandelhallen in Florenz. Die Übernachtung inklusive Frühstück half uns über die erste Tageshälfte hinweg. Eine provisorische Mahlzeit zum Mittag, ergänzt von einem Jugendherbergs-Menü am Abend, half uns über den Rest des Tages und glich die Gewicht reduzierenden Anstrengungen des Tage wieder aus.

 

Nach kurzer Autofahrt und Parkplatzsuche tauchte der David endlich vor uns auf. Die Jugendlichen hatten schon längst nicht mehr daran gedacht. Der David, die Figur von Michelangelo, deretwegen wir die ganzen Strapazen auf uns genommen hatten, wurde kaum wahrgenommen. Ein Freudenschrei des Lehrers gelangte nach und nach in das Bewusstsein der Jugendlichen und sie begannen sich langsam dafür zu interessieren, was den „Alten" so erregte.

 

Am nächsten Tag besuchte eine Gruppe die „Uffizien", während eine andere Gruppe den Glockenturm des Domes (416 Stufen) bestieg, die Goldschmiedebrücke über den Arno besichtigte und die Touristenmärkte der Stadt unsicher machte. Ein Jongleur und Animateur, der tagsüber die Touristen in der Stadt erfreute, traf abends in der Jugendherberge zur Übernachtung ein und erfrischte mit einer Sondervorstellung unser Gemüt vor der Nachtruhe.

 

Wehmütig verließen wir am dritten Morgen diese traumhaft schöne Umgebung und steuerten den Bodensee an, wo wir noch einige Besichtigungstermine von „Erwachseneneinrichtungen" wahrnahmen. In Singen erwartete uns am Abend ein Jugendherbergsmenü und am nächsten Tag eine anstrengende, aber anregende und aufschlussreiche Rundreise zum „Lehenhof" mit Führung durch Bäckerei, Weberei, Wollwäscherei, Färberei und Landwirtschaft. Die Milchkühe schweizerischer Abstammung, liebevoll gepflegt und individuellen Bedürfnissen entsprechend gehalten, bewiesen, dass es tatsächlich glückliche Kühe gibt.

 

„Lautenbach" klärte über ihre Produktionsbereiche wie Betonwerkstatt, Töpferei, Gärtnerei, Holz-, Textil-, Leder- und Metallwerkstatt auf.

Auf der Rückfahrt hielten wir in Bruckfelden. Jörg zeigte uns seine zukünftige Bleibe. Während wir ein Café oder eine Kantine suchten, gingen wir auch an den Schulgebäuden entlang und schauten in die Klassenräume. Auf einmal sahen wir ein bekanntes Gesicht: Kerim W., halb in Arbeit vertieft, halb träumend, schaute aus dem Fenster. Freundlich aufgenommen von seinen Lehrern trafen wir uns alle in den Unterrichtsräumen und erzeugten dadurch ein liebevolles Chaos der Begegnung gleichaltriger Menschen.

 

Von diesen Eindrücken überwältigt kehrten wir nach Singen zurück. Halb traurig ,ein Abenteuer zu beenden, halb froh, die Heimat und gewohnte Umgebung wieder zu erreichen, fuhren wir am nächsten Morgen ab und kamen gesund und wohlbehalten gegen 15:00 Uhr in Lauterbad an.

Bis heute zehren wir von den Eindrücken und erinnern uns gern in unseren schulischen Gesprächsrunden an die Erlebnisse in Italien.

 

Andreas Bünsow

Werkstufenlehrer

 

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