Michaeli
Seit
Urzeiten wird das "Michael-Fest" zu Beginn des Herbstes gefeiert. Es
war immer die Zeit des Aufblickens zu den himmlischen Hierarchien, mit dem
Erzengel Michael als den Bannerträger, der allen "himmlischen
Heerscharen" voranschreitet. Deshalb wurde in den Heiligenlegenden immer
mit der Aufzählung der neun Engelhierarchien begonnen, wenn vom Kampf Michaels
gegen den Drachen die Rede war.
Das
Bild, wie es uns die Offenbarung des Johannes in einer Geistesschau zeigt -
Michael als Sieger über den Drachen -, kehrt als mythisches Grundbild auf allen
Stufen der Menschen- und Geistesgeschichte wieder als Auseinandersetzung mit dem
Bösen: Der Drache als gottfeindliche Macht.
Die
Wesenszüge Michaels, des Himmelsfürsten, begegnen uns in strenger Haltung, mit
erhobenem Schwert, wie in einer "Ich-bin-bereit-Geste" und einem in
die Weite gerichteten Blick das Große, Weltgestaltende umfassend. Er bezwingt
das Böse mit schneidender Klarheit und hält es in Schach. Aber Michael kennt
auch Milde, er gibt Schutz und Wärme als Seelengeleiter - als Träger der
Seelenwaage.
Er
wägt die Furcht der Menschen, die er in die Verantwortung nimmt mit zu tun,
Mitstreiter zu werden, Gefahren zu trotzen und Aufgaben zu ergreifen, nicht bloß
Zuschauer zu sein, im Kleinen wie im Weltgeschehen. In diesem Sinn ruft Michael,
als Engelsfürst des Fortschritts und nicht Stillstehens, den Menschen auf zur
inneren Tat, zur mutigen Auseinandersetzung mit den eigenen Seelenkräften. Und
wenn der Herbst sich naht und die äußere Natur welkt und erstirbt, dann kann
der Weg nach innen frei werden.
In
dieser Zeit leuchtet vor uns imaginativ das eiserne Schwert Michaels auf, wenn
im Kosmos bedeutungsvolle Prozesse geschehen: Wie in der Nachsommerzeit und im
beginnenden Herbst Meteoritenschwärme durch die Luft sausen und auf die Erde
herabfallen; Meteoreisen, kosmisches Eisen, in dem eine ungeheuer starke und
heilende Kraft liegt - in den Mythen die Waffe der Götter gegen die bösen
Mächte.
Und was sich da im Weltall in so unendlicher Größe abspielt, hat ein
mikrokosmisches Gegenbild in der Eisenbildung im menschlichen Blute. Und wenn
wie durch einen Sternschnuppenbefall in jedem Blutkörperchen die Eisenbildung
vor sich geht, entsteht eine Gegenkraft, die besonders stark da ist in der
herannahenden Michaeli-Zeit, eine Kraft, die der heutige Mensch mit Bewusstsein
lernen muss zu ergreifen.
So
können wir das Michael-Fest gestalten zu einem Fest innerer Initiative,
Furchtlosigkeit und innerer Kraft, letztendlich zur Vergeistigung des
Michael-Schwertes.
Michael.
- leih mir Dein Schwert,
dass
ich gerüstet bin,
den
Drachen in mir zu besiegen.
Erfülle
mich mit Deiner Kraft,
damit
ich Geistern,
die
mich lähmen wollen, trotze.
So
wirke in mir,
dass
leuchtend mich mein Ich durchdringt
und
mich zu Taten führe.
Durch
das eigene innere Werden wachsen wir schließlich zu Christus hin an
Weihnachten. Johannes - Michael - Christus, das ist der ansteigende Weg in der
absteigenden Jahreshälfte.
Irene
Kunze