Ostern und Pfingsten

 

"Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Weltenzeiten Ende!"

(Matthäus 28, 20)

 

Das Fest der Auferstehung Christi mit der vorangehenden Passionszeit und der Karwoche findet seinen Platz im Jahreslauf durch die Beziehung des Menschen zu kosmischen Gegebenheiten, richtet sich nach der Konstellation der Himmelskörper. So liegt das Osterfest jeweils am ersten Sonntag, der auf den ersten Frühlingsvollmond folgt.

 

Was bedeutet dieses Fest in unserer Zeit?

 

Wie kann der einzelne Mensch sich mit der Wahrheit verbinden, dass ein Gott drei Jahre in einem Menschenleib gelebt hat, durch den unverschuldeten Tod gegangen ist, den Tod besiegt hat, die Auferstehung vollzogen hat und nach diesem allen sich noch so mit der Menschheit verbunden hat, dass er sich einzelnen Menschen offenbaren konnte, ihnen ganz grundlegende Erkenntnisse über den Menschen und seinen Zusammenhang mit der geistigen Welt erlebbar machen konnte? - Dies sind Inhalte und Fragen, mit denen wir uns als erwachsene Menschen am Ende des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen können.

 

Aber wie lassen wir ihre Kinder hier in Lauterbad die Passions- und Osterzeit erleben?

 

Große Zurückhaltung pflegen wir bei der Gestaltung der Passionszeit, besonders bei den Kindern, die jünger als 14 Jahre sind. Diese Geschehnisse sind der Vorbereitung auf die erste Jugendfeier vorbehalten. Die erste Jugendfeier findet in der Osterzeit am ersten Wochenende nach den Ferien statt und wird im Zweiwochenrhythmus wiederholt. Im Erleben dieser kultischen Feier finden die Jugendlichen Zugang zu den Auferstehungskräften des Christus.

 

Im Leben der modernen Menschen findet sich der Erzählstoff in diesem Alter. Die jüngeren Kinder hören Märchen, Geschichten und Legenden über Menschen, die Schweres erleben, Leid tragen, daran Seelenfähigkeiten und -kräfte entwickeln, so dass sie durch innere Verwandlung zu neuem Leben finden.

 

Der Jahreszeitentisch ist nach der Entwicklung in der Natur karg gestaltet. An kahlen Zweigen können die Kinder die Blattentfaltung erleben, eine leere Schale steht als Symbol dabei. Bilder des Gekreuzigten stellen wir nicht auf.

 

Als Vorbereitung auf das Osterfest säen wir am Palmsonntag Weizen in Schalen und decken die Körner mit Erde zu. Die Kinder erleben das Bild, dass aus dem begrabenen Samen neues Leben hervorkommt.

 

Ein schöner Brauch könnte es sein, wenn vom Ostersonntag an täglich ein farbiges Ei mehr an einen Strauß gehängt würde. Dies macht sichtbar, dass die Auferstehungszeit fortdauert und bis zum Himmelfahrtstag eine kontinuierliche Steigerung erfährt bis an deren Höhepunkt sich Christus der Wahrnehmung seiner Jünger entzieht und sich mit einem Teil seines Wesens in die Lebenskräfte der Erde ausgießt. Somit ist er als Auferstandener immer gegenwärtig.

 

Zum Erleben des Pfingstfestes in unserer Zeit brauchen wir unter Umständen neue Gedanken und innere Erlebnisse, wenn dieses Fest nicht nur aus der Tradition heraus gestaltet werden soll.

 

Gehen wir an die Quelle dieses Festes (Apostelgeschichte 2), so lesen wir, dass Menschen in gemeinsamer Andacht versammelt waren, als der Gottesgeist in einen jeden von ihnen einzog, und sie aussprechen konnten, was sie durch ihn erkannten.

 

Es wird gesprochen von intensiver Hinwendung an den Christusgeist durch eine Menschengruppe, die über drei Jahre bereits intensiv mit ihm verbunden war. Können diese Aussagen, die in einem fast zweitausend Jahre alten Buche zu finden sind, in jedem von uns eine Wesensschicht ansprechen? Was haben wir heute damit zu tun?

Himmelfahrt und Pfingsten fallen in das aufsteigende Jahr. Es ist auch die Zeit, in der die Menschen sich am liebsten mit dem Wachsen und Blühen an die Schönheit der Welt verlieren.

 

Zu Himmelfahrt machen wir jedes Jahr nach einer kleinen Morgenfeier und gemeinsamen Frühstück einen großen Ausflug.

In der Pfingstzeit gibt es beim Abendkreis in unserer Gruppe eine große brennende Kerze und viele kleine. Jedes Kind darf für sich eine Kerze an der großen entzünden und weitere auch für andere Menschen, denen es gute Gedanken, Licht und Wärme zuschicken möchte.

 

Gerda Peinelt

 

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