Liebe Eltern,

liebe Freunde,

 

in diesem Elternbrief finden Sie wieder einmal einige Beispiele aus der "Sprachgestaltung". In der Sprachgestaltung kann man - je nach Alter und Klasse - Vokale und Konsonanten üben, Rhythmus und Atem, Betonung und genaue Aussprache, Lippen, Zungen- und Gaumenlaute. Man kann sich fragen, welche Rolle spielen die Zähne, wo entstehen welche Klänge, wie kann ich als Lehrer welchem Kind die rechten Übungen geben, in denen es seine Gestik erüben kann, seine Sprachwerkzeuge richtig benutzen kann?

Wie langsam oder schnell, wie laut oder leise oder wohltemperiert muss gesprochen werden, damit die Kinder bzw. Jugendlichen das rechte Bewusstsein am rechten Ort und zum rechten Zeitpunkt im Sprechen vom Sprechen bekommen.

 

Hierzu eignen sich durchaus u. a. Sprachspiele, in denen es - wie bei fast allen direkten Sprachübungen - nicht auf den inhaltlichen Sinn ankommt, der würde im Gegenteil nur stören.

 

Außerordentlich wichtig ist der Humor im Unterricht. Hier ist er richtig am Platz, kann sinnvoll eingesetzt werden. So kann "Bustronjafeint... " oder "Maniluvien mit Ozaena" - nachdem es gelernt wurde - dramatisch, empört, verschwörerisch, distinguiert, stolz und beleidigt gesprochen werden.

 

Man kann in Stimmungen, die im Rollenspiel wichtig sind, eintauchen, ohne dies mit einem Inhalt zu belasten, sich launisch ganz auf das Sprechen und die Stimmung einlassen. Das ersetzt nicht das geformte Rollenspiel, ist aber eine gute Vorbereitung.

 

In dem "Gedicht" "Wo schmeckt der Coffo" werden alle Vokale durch einen einzigen ersetzt. Das klingt seltsam und lustig, macht bewusst, übt Vokale, entfremdet die Sprache, macht sogar ein Rätsel aus ihr. Oder Laute wie "Vivil" (Pfefferminzart) und "wie viel" müssen differenziert gesprochen werden. Wie handhabe ich dazu mein Sprechwerkzeug. Diese Handhabung geschieht natürlich während des Sprechens und nicht mit dem Verstand.

 

Oder ein "worterfindungsgestaltungsverschwendungssüchtiger" Lehrer gerät außer Atem und merkt: eigentlich kann man so nicht sprechen.

Natürlich wird man nach einer solchen Übung ein Gedicht folgen lassen, in dem dann wieder eine ruhigere und ernsthaftere Stimmung auffangen und formen kann, was vorher absichtlich etwas aus den Fugen geriet. Wir sammeln die Worte, die Stimmungen, die Dramatik und bringen sie wieder auf den Punkt. Wenn wir uns nun dazu noch Gymnastik und Rollenspiel sowie Lieder vorstellen, dann hat man ein Bild von dem rhythmischen Teil des Unterrichtes in der 8. /9. Klasse.

 

Christian Braemer

 

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