Die Lauterbader Weihnachtsspiele


Es ist jetzt fast 11 Jahre her, als uns damals von Frau Kuhn (Haupthausgruppe) vorgeschlagen wurde, die "Oberuferer Weihnachtsspiele" in Lauterbad  zu besuchen. Als Nicht-Anthroposophen wurde uns zunächst der Inhalt und die Form erklärt, wie diese Weihnachtsspiele abliefen. Um die Spiele und insbesondere deren Inhalt zu verstehen, gab uns Frau Kuhn die Literatur über die Weihnachtsspiele und die süddeutschen Texte.


Wochenlang bereiteten wir uns zu Hause mit den Büchern auf den Besuch des "Paradeis-Spieles" und des "Christgeburt-Spieles" vor. Dann endlich kam der erste große Abend, der uns zunächst etwas in Verwirrung stürzte. Nach einer würdevollen Einführung in das Spiel warteten alle, auch wir, in anthroposophischer Strenge auf die Spieler, die Kumpanei. Gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Betreuten vom "Werkhof Drusel", aber ohne andere Eltern lauschten wir dem süddeutschen Dialekt und freuten uns, dass wir fast alles verstanden. Nach der Vorstellung war alles ruhig und kein Applaus belohnte die Schauspieler.


Zwei Wochen später war die Aufführung des "Christgeburt-Spieles". Auch diese Inszenierung der eigentlichen Weihnachtsgeschichte war spannend, schauspielerisch beeindruckend und humorvoll.


Die Darstellungsformen der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies und der Weihnachtsgeschichte war vollkommen neu für uns, da wir bisher ausschließlich an Weihnachtsspiele, meistens mit sozialkritischen Charakter, in der Kirche gewöhnt waren. Unvergesslich für uns waren die Auftritte von Herrn Lietkens als Teufel (Paradeis-Spiel), Frau Wehner als Maria und Herrn Reichel als Josef (Christgeburt-Spiel).


Seither hat sich vieles verändert. Im Laufe der nächsten Jahre kamen immer mehr Eltern, die sich in der Vorweihnachtszeit die Weihnachtsspiele ansahen. Unsere Freunde und Kathrins Omas haben die Weihnachtsspiele bereits mehrfach besucht. Auch der strenge und unpersönliche Charakter ist mittlerweile verschwunden. Applaus für die Kumpanei gibt es heute reichlich und belohnt die Spieler.


Leider fällt das "Paradeis-Spiel" seit einigen Jahren aus. Dafür wurden Eltern und Freunde jedoch zum "Drei-König-Spiel" in die Zierenberger Kirche eingeladen. Dieses Gesangsstück ist heute für uns der krönende Abschluss der Weihnachtszeit. Zudem ist es für uns eine Gelegenheit, kurz nach Ende der Weihnachtsferien, noch etwas gemeinsam mit Kathrin zu erleben.


Liegt es an der Stimmgewaltigkeit der Spieler? Liegt es an der prachtvollen Kirchenkulisse? Wahrscheinlich liegt die Ursache, dass man ergriffen und musikalisch bereichert jedes Jahr aus diesem Konzertspiel geht, in der glücklichen Verknüpfung mehrerer Gründe.


Nach den letzten Konzerten wurden alle Kinder, Mitarbeiter und Eltern zum Kaffeetrinken in das Gemeindehaus in Zierenberg eingeladen. Im vergangenen Jahr haben wir wegen der Busverspätung sogar noch eine ausgiebige Führung durch die Kirche mit ihren Fresken erlebt, und der Zierenberger Pfarrer hat uns ausführlich über den Schutzpatron der Kirche, den heiligen Christopherus, Geschichten erzählt.


Wer nun glaubt, wir sehen dies als einen Teil der Vergangenheit an, weil Kathrin voraussichtlich im Sommer nächsten Jahres Lauterbad verlassen wird, sieht sich getäuscht!


Die Weihnachtsspiele sind nicht nur zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden, sie lassen die weihnachtliche Stimmung erst richtig entfalten. Und nicht zuletzt sind sie ein künstlerischer Genuss für Augen und Seele. Wir freuen uns auf die Spiele in diesem Jahr und in den kommenden Jahren.

Christina Rudolph
Helmut Rudolph
(Eltern von Kathrin)

 

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