Medizin und Therapie

 

Die Entwicklung jedes Kindes entfaltet sich im Wechselspiel zwischen individueller Veranlagung und Vererbung bzw. Umkreis.

 

So zeigt die äußere Erscheinung, die Gesichtszüge, die Haltung, der Gang, die Gebärden, die Sprache, das Verhalten und auch das Organische, ein Resultat dieses Kräftespieles. Eine einmalige Untersuchung ist nie eine erste Bestandsaufnahme, nie eine Fixierung eines Moments. Erst im zeitlichen Verlauf, in dem immer wieder in zeitlichen Abständen neu geschaut und aktualisiert wird, bekommt man eine Ahnung von diesem "hinter den Kulissen des Alltags" sich befindenden Geschehen. So verbindet man sich mit jedem Kind mit Interesse; man möchte helfen, dass die Entwicklung im Sinne des Individuums voranschreitet. Die Vererbung und der Umkreis sind Übfelder; Hindernisse und Förderungen, die in der Auseinandersetzung überwunden und verwandelt aufgenommen werden.

 

In der Natur, in ihren unterschiedlichen Reichen, finden auch ständig Entwicklungen statt. Am Naheliegendsten lässt es sich in der Pflanzenwelt beobachten. Ein Obstbaum wird sich z.B. in jedem Jahreslauf anders entfalten, je nach vorliegender Beschaffenheit des Jahres. Die Kräuter und Sträucher zeigen auch dieses Wechselspiel.

 

So lernt man mit der Zeit kennen, die Prozesse der menschlichen und der äußeren Natur miteinander zu sehen. Und es ist die Aufgabe des Heim- und Schularztes, genau auf diese individuelle Entwicklung des Kindes im Zeitverlauf zu achten. Und begleitend einzuwirken da, wo Stockungen, Störungen sich zeigen.

 

Die Mittel des Einwirkens können Medikamente sein, die aus den Reichen der Natur entnommen und vorbereitet werden. Es können äußere Anwendungen sein (Wickel, Auflagen, Einreibungen), die innere Prozesse anregen. Das lässt sich durch die Rhythmische Massage und durch Öldispersionsbäder steigern.

 

Eine weitere Intensivierung der Behandlung wird durch Übungen praktiziert: Heileurythmie, mittels Bewegung und Sprache; Sprachtherapie, Musiktherapie, Farbschattentherapie; Chirophonetik; künstlerische Therapie. Die heilpädagogischen Übungen im Alltag von Heim und Schule wirken auch in diesem Sinne.

 

So wird ersichtlich, wie eng die Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pädagogik für die Entwicklung des einzelnen Kindes von Vorteil ist. Diese Zusammenarbeit wird allwöchentlich in den sogenannten "Kinderkonferenzen" und in der Nachbesprechung im "Therapiekreis", wie in der regelmäßigen Untersuchungen der Kinder und ihrer Nachbesprechung mit Lehrern und Erziehern gepflegt.

 

Das ist ein Kernmotiv unseres Institutes.

 

Bruno Callegaro

 

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